Ein ETF oder mehrere ETFs? Wie viel Diversifikation brauchst Du wirklich?

ein ETF oder mehrere

Ob ein einzelner ETF ausreicht oder ob du mehrere ETFs benötigst, hängt maßgeblich von deinen Anlagezielen, deiner Risikobereitschaft und deinem gewünschten Diversifikationsgrad ab. Die Wahl der richtigen ETF-Strategie ist entscheidend, um deine finanzielle Zukunft langfristig erfolgreich zu gestalten.

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Die Essenz der ETF-Diversifikation: Ein ETF versus mehrere ETFs

Die Frage, ob ein ETF oder mehrere ETFs die bessere Wahl für deine Geldanlage sind, führt unweigerlich zum Thema Diversifikation. Diversifikation bedeutet, dein Vermögen auf verschiedene Anlageklassen, Regionen und Sektoren zu verteilen, um das Gesamtrisiko deines Portfolios zu minimieren. Ein einzelner ETF, der beispielsweise nur einen breiten Marktindex wie den MSCI World abbildet, bietet bereits eine hohe Diversifikation innerhalb dieser spezifischen Anlageklasse. Die Entscheidung für mehrere ETFs erweitert diesen Diversifikationsgrad potenziell erheblich, indem sie den Zugang zu anderen Märkten, Anlagestilen oder Assetklassen ermöglicht.

Was bedeutet Diversifikation im ETF-Kontext?

Im Kern geht es bei der Diversifikation darum, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Bei ETFs bedeutet dies, dass du dein investiertes Kapital nicht nur auf ein einzelnes Unternehmen, eine einzelne Branche oder ein einzelnes Land konzentrierst. Ein ETF, der beispielsweise 1.600 Unternehmen aus Industrieländern weltweit umfasst, ist bereits stark diversifiziert. Wenn du jedoch dein Portfolio um Schwellenländer, Immobilien, Rohstoffe oder Anleihen erweitern möchtest, benötigst du zusätzliche ETFs, die diese Anlageklassen abbilden.

Die Vor- und Nachteile eines einzelnen ETFs

Vorteile:

  • Einfachheit: Ein einzelner ETF ist die unkomplizierteste Lösung. Du musst nur ein Produkt auswählen und verwalten, was den Verwaltungsaufwand erheblich reduziert.
  • Geringere Kosten: Oftmals fallen bei einem einzelnen ETF geringere Gesamtkosten an, da du nur eine Verwaltungsgebühr (Total Expense Ratio – TER) für dieses eine Produkt zahlst. Transaktionskosten beim Kauf sind ebenfalls nur einmalig anfallend.
  • Breite Marktbasis: Viele breit gestreute ETFs (z. B. auf den MSCI World oder FTSE All-World) decken bereits einen Großteil der globalen Aktienmärkte ab und bieten somit eine solide Basisdiversifikation.

Nachteile:

  • Begrenzte Flexibilität: Mit einem einzigen ETF bist du in deiner Anlagestrategie eingeschränkt. Du kannst nicht gezielt in bestimmte Regionen, Sektoren oder Anlagestile investieren, die über die Abbildung des gewählten Index hinausgehen.
  • Risikokonzentration innerhalb der Anlageklasse: Auch ein breit gestreuter Aktien-ETF ist immer noch auf Aktien konzentriert. Wenn der gesamte Aktienmarkt eine Korrektur erfährt, wird dein gesamtes Portfolio davon betroffen sein.

Die Vor- und Nachteile mehrerer ETFs

Vorteile:

  • Höherer Diversifikationsgrad: Durch die Kombination mehrerer ETFs kannst du dein Portfolio gezielt über verschiedene Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe), Regionen (Industrieländer, Schwellenländer, spezifische Länder) und Sektoren (Technologie, Gesundheitswesen, Energie) streuen.
  • Gezielte Risikosteuerung: Du kannst dein Risikoprofil feiner justieren. Beispielsweise kannst du durch Beimischung von Anleihen-ETFs das Risiko reduzieren oder durch gezielte Investitionen in wachstumsstarke Sektoren höhere Renditen anstreben.
  • Flexibilität und Anpassbarkeit: Mit mehreren ETFs bist du flexibler, dein Portfolio an veränderte Marktbedingungen oder persönliche Lebenssituationen anzupassen. Du kannst gezielt Gewichtungen verschieben oder neue Anlageklassen hinzufügen.

Nachteile:

  • Komplexität: Die Auswahl, Verwaltung und Überwachung mehrerer ETFs erfordert mehr Aufwand und Wissen. Du musst die einzelnen ETFs verstehen und ihre Zusammensetzung sowie ihr Zusammenspiel im Portfolio berücksichtigen.
  • Höhere Kosten: Die Gesamtkosten können steigen, da du für jeden einzelnen ETF eine Verwaltungsgebühr zahlst. Auch die Transaktionskosten beim Kauf mehrerer ETFs addieren sich.
  • Gefahr der Über-Diversifikation: Zu viele ETFs können dazu führen, dass du den Überblick verlierst und dein Portfolio unnötig kompliziert wird, ohne dass dies zu einer signifikanten Verbesserung der Risikostreuung führt. Dies wird auch als „Diworsifikation“ bezeichnet.

Wie viel Diversifikation brauchst Du wirklich? Die richtige Balance finden

Die Frage nach dem „richtigen“ Maß an Diversifikation ist individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es gibt keine pauschale Antwort, die für jeden Anleger gilt. Das Ziel ist es, eine Diversifikation zu erreichen, die dein Risiko auf ein für dich akzeptables Maß reduziert, ohne dabei unnötige Komplexität oder Kosten zu erzeugen.

Deine Risikobereitschaft als entscheidender Faktor

Deine persönliche Risikobereitschaft ist der wichtigste Indikator dafür, wie viel Diversifikation du benötigst. Bist du bereit, kurzfristige Schwankungen am Markt in Kauf zu nehmen, um langfristig potenziell höhere Renditen zu erzielen, kannst du eine höhere Aktienquote und damit möglicherweise eine etwas geringere Anzahl an Anlageklassen in Betracht ziehen. Bist du eher risikoscheu und legst Wert auf Kapitalerhalt, solltest du dein Portfolio breiter aufstellen und beispielsweise einen höheren Anteil an Anleihen-ETFs beimischen.

Anlageziele: Kurzfristig versus langfristig

Deine Anlageziele spielen ebenfalls eine zentrale Rolle. Wenn du für kurzfristige Ziele sparst (z. B. eine Anzahlung für ein Auto in zwei Jahren), ist ein breit gestreuter Aktien-ETF allein wahrscheinlich zu riskant. Hier könnte eine Kombination aus Aktien- und Anleihen-ETFs oder ein konservativerer Mischfonds-ETF sinnvoller sein. Für langfristige Ziele (z. B. Altersvorsorge in 30 Jahren) hast du mehr Zeit, Marktschwankungen auszusitzen, und kannst daher eine höhere Aktienquote in deinem diversifizierten Portfolio in Erwägung ziehen.

Die Rolle von Asset Allocation

Die Asset Allocation, also die Verteilung deines Vermögens auf verschiedene Anlageklassen, ist das Fundament einer erfolgreichen Diversifikation. Eine gängige Empfehlung für langfristige Anleger ist die Aufteilung in Aktien und Anleihen. Viele Anleger nutzen die Regel „Alter minus 10“ als grobe Orientierung für den Aktienanteil im Portfolio. Wenn du also 30 Jahre alt bist, könntest du einen Aktienanteil von etwa 70 % und einen Anleihenanteil von etwa 30 % anstreben. Diese grundlegende Aufteilung kann dann durch weitere ETFs verfeinert werden.

Beispiele für Diversifikationsstrategien mit ETFs

Strategie 1: Der „Ein-ETF-Ansatz“ für einfache Diversifikation

Für Anleger, die eine einfache und unkomplizierte Lösung suchen, kann ein einziger, breit gestreuter ETF eine hervorragende Wahl sein. Ein ETF auf den MSCI World Index bildet rund 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern ab und bietet damit bereits eine sehr hohe Diversifikation innerhalb der Aktienanlage. Ein ETF auf den FTSE All-World Index geht noch einen Schritt weiter und beinhaltet zusätzlich rund 500 Unternehmen aus Schwellenländern, was eine noch umfassendere globale Aktienmarktabdeckung ermöglicht.

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Strategie 2: Der „Zwei-ETF-Ansatz“ für eine Basis-Allokation

Eine beliebte und effektive Methode zur Diversifikation ist die Kombination von zwei ETFs. Dies könnte beispielsweise ein ETF auf den MSCI World (für entwickelte Märkte) und ein ETF auf den MSCI Emerging Markets (für Schwellenländer) sein. Durch die Festlegung von Gewichtungen (z. B. 70% MSCI World, 30% MSCI Emerging Markets) kannst du gezielt in beide Marktsegmente investieren und von deren unterschiedlichen Wachstumspotenzialen und Risiken profitieren. Eine andere beliebte Kombination ist ein Aktien-ETF und ein Anleihen-ETF, um das Portfoliorisiko zu reduzieren.

Strategie 3: Der „Drei-ETF-Ansatz“ für erweiterte Diversifikation

Mit drei ETFs kannst du dein Portfolio weiter diversifizieren, indem du beispielsweise eine dritte Anlageklasse oder einen speziellen Sektor hinzufügst. Ein Beispiel wäre die Kombination aus einem globalen Aktien-ETF (z. B. FTSE All-World), einem globalen Anleihen-ETF und einem ETF auf Immobilienaktien (REITs). Dies ermöglicht eine Streuung über Aktien, festverzinsliche Wertpapiere und Sachwerte.

Strategie 4: Der „Multi-ETF-Ansatz“ für maximale Flexibilität

Für erfahrene Anleger, die ihr Portfolio sehr gezielt steuern möchten, bietet der Multi-ETF-Ansatz maximale Flexibilität. Hierbei werden mehrere ETFs miteinander kombiniert, um eine sehr spezifische Asset Allocation zu erreichen. Dies kann die Beimischung von Small Cap Aktien, Rohstoffen, speziellen Branchen-ETFs oder regionalen ETFs beinhalten. Dieser Ansatz erfordert jedoch ein tiefes Verständnis der einzelnen Anlageklassen und ihres Zusammenspiels im Portfolio.

Eine Übersicht der Diversifikationsmöglichkeiten

Kategorie Beschreibung Beispiele für ETF-Typen Vorteile Nachteile
Regionale Diversifikation Streuung über verschiedene Länder und Wirtschaftsräume (Industrieländer, Schwellenländer, spezifische Regionen). MSCI World ETF, MSCI Emerging Markets ETF, S&P 500 ETF, Euro Stoxx 50 ETF. Reduziert das Risiko länderspezifischer Krisen. Partizipation an globalem Wirtschaftswachstum. Komplexität bei der Auswahl und Gewichtung. Währungsschwankungen.
Sektorale Diversifikation Aufteilung auf verschiedene Branchen und Wirtschaftszweige (Technologie, Gesundheit, Energie, Finanzen). Tech-Sektor ETF, Healthcare ETF, Energie ETF, Finanzsektor ETF. Reduziert das Risiko von Branchenspezifischen Rückschlägen. Partizipation an spezifischen Wachstumsgeschichten. Kann zu Über-Diversifikation führen. Erfordert Kenntnisse über Branchenzyklen.
Assetklassen-Diversifikation Streuung über verschiedene Anlagekategorien (Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe). Aktien-ETF, Anleihen-ETF (Staatsanleihen, Unternehmensanleihen), Immobilien-ETF (REITs), Rohstoff-ETF. Stärkste Risikoreduktion durch geringe Korrelationen. Kapitalerhalt in unsicheren Zeiten. Potenziell geringere Renditen als reine Aktienanlagen. Komplexe Verwaltung.
Unternehmensgrößen-Diversifikation Investition in Unternehmen unterschiedlicher Marktkapitalisierung (Large Caps, Mid Caps, Small Caps). MSCI World Large Cap ETF, MSCI World Small Cap ETF. Partizipation an Wachstumspotenzialen kleinerer Unternehmen. Größere breite Marktabdeckung. Small Caps können volatiler sein.

Häufig gestellte Fragen zu Ein ETF oder mehrere ETFs? Wie viel Diversifikation brauchst Du wirklich?

Muss ich als Anfänger unbedingt mehrere ETFs kaufen?

Als Anfänger ist es oft sinnvoll, mit einem breit gestreuten, einzelnen ETF zu starten, der eine umfassende Marktbasis abbildet, wie beispielsweise ein ETF auf den MSCI World oder FTSE All-World. Dies ermöglicht dir, dich mit der ETF-Anlage vertraut zu machen, ohne dich von zu vielen Optionen überfordert zu fühlen. Sobald du mehr Erfahrung gesammelt hast und deine Ziele klarer definiert sind, kannst du dein Portfolio schrittweise um weitere ETFs erweitern, um den Diversifikationsgrad zu erhöhen.

Was passiert, wenn ich nur in einen einzigen ETF investiere, der stark gefallen ist?

Wenn du nur in einen einzigen ETF investiert hast und dieser einen starken Kursverlust erleidet, ist dein gesamtes investiertes Kapital davon betroffen. Das Risiko hängt stark vom abgebildeten Index ab. Ein breiter Welt-ETF ist zwar weniger anfällig für Einzelrisiken eines Unternehmens als eine Einzelaktie, aber er unterliegt dem allgemeinen Marktrisiko. Wenn der gesamte Aktienmarkt oder die abgebildete Region stark fällt, wird auch dein ETF darunter leiden. Eine Diversifikation über verschiedene Anlageklassen und Regionen kann dieses Risiko streuen.

Wie viele ETFs sind zu viel?

Es gibt keine feste Regel, wie viele ETFs „zu viel“ sind. Entscheidend ist, ob die zusätzliche Diversifikation durch weitere ETFs noch einen relevanten Mehrwert für dein Portfolio bietet und ob du den Überblick behältst. Eine Faustregel besagt, dass eine übermäßige Anzahl an ETFs (oftmals mehr als 5-7 für Privatanleger) zu komplex werden kann, die Kosten erhöht und die Verwaltung erschwert, ohne die Risikostreuung signifikant zu verbessern. Konzentriere dich auf ETFs, die sinnvolle und sich ergänzende Anlageklassen oder Regionen abbilden.

Sollte ich Aktien- und Anleihen-ETFs kombinieren?

Ja, die Kombination von Aktien- und Anleihen-ETFs ist eine der fundamentalsten und effektivsten Diversifikationsstrategien. Aktien bieten langfristig höhere Renditepotenziale, sind aber auch volatiler. Anleihen sind in der Regel stabiler und dienen als Puffer in Marktkrisen, bieten aber geringere Renditen. Die richtige Gewichtung von Aktien- und Anleihen-ETFs ermöglicht es dir, das gewünschte Rendite-Risiko-Profil zu erreichen.

Spielt die TER (Total Expense Ratio) eine Rolle bei der Wahl zwischen einem oder mehreren ETFs?

Die TER ist ein wichtiger Kostenfaktor und spielt definitiv eine Rolle. Bei einem einzelnen, breit aufgestellten ETF ist die TER oft relativ niedrig. Wenn du jedoch mehrere ETFs kombinierst, addieren sich die TERs dieser einzelnen Produkte. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass die Gesamtkosten deines Portfolios nicht zu hoch werden. Vergleiche die TERs der ETFs, die du in Betracht ziehst, und wähle möglichst kostengünstige Produkte, besonders wenn du in vielen verschiedenen ETFs investierst.

Kann ich mit einem einzigen ETF ausreichend diversifiziert sein?

Für viele Anleger kann ein einziger, breit gestreuter ETF durchaus ausreichend sein, um eine hohe Diversifikation zu erreichen. Ein ETF auf den FTSE All-World Index beispielsweise investiert in über 3.000 Unternehmen weltweit und deckt sowohl entwickelte Märkte als auch Schwellenländer ab. Damit legst du eine sehr solide Grundlage. Wenn du jedoch gezielt in spezifische Anlageklassen (z.B. Anleihen, Rohstoffe) oder andere Anlage-Stile investieren möchtest, die dieser Index nicht abdeckt, sind zusätzliche ETFs notwendig.

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